Zahlungsunfähigkeit erkennen — die juristische und betriebliche Definition
Die juristische Definition (§17 InsO)
Zahlungsunfähigkeit liegt nach § 17 InsO vor, wenn der Schuldner nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. In der Praxis wird dafür eine Liquiditätsbilanz erstellt. Die BGH-Rechtsprechung arbeitet häufig mit der Frage, ob eine relevante Liquiditätslücke innerhalb von drei Wochen geschlossen werden kann; die konkrete Bewertung hängt vom Einzelfall ab.
Wichtig: Es geht nicht um Vermögen auf dem Papier, sondern um verfügbare Liquidität. Ein Unternehmen kann werthaltige Anlagen besitzen und trotzdem zahlungsunfähig sein.
Drohende Zahlungsunfähigkeit (§18 InsO)
Drohende Zahlungsunfähigkeit liegt nach § 18 InsO vor, wenn das Unternehmen voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, bestehende Zahlungspflichten zum Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen. Sie kann einen Insolvenzantrag ermöglichen, löst aber nicht dieselbe Antragspflicht wie eingetretene Zahlungsunfähigkeit aus.
Diese Variante hat strategische Bedeutung: Sie kann frühe Sanierungsoptionen eröffnen, bevor eine akute Krise eintritt. Die rechtliche Einordnung sollte fachkundig geprüft werden.
So prüfst du operativ
Schritt-für-Schritt:
- Alle fälligen Verbindlichkeiten zum Stichtag erfassen.
- Alle verfügbaren liquiden Mittel und belastbaren kurzfristigen Zuflüsse ermitteln.
- Liquiditätslücke berechnen und prüfen, ob sie kurzfristig geschlossen werden kann. Eine relevante, nicht kurzfristig behebbare Lücke ist ein ernstes Warnsignal.
- 13-Wochen-Vorschau prüfen: drohende Lücken erkennen und Gegenmaßnahmen dokumentieren.
Zahlungsfähigkeit regelmäßig prüfen
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