Unternehmensbewertung im KMU — Methoden und Realität
Unternehmensbewertung im KMU ist Teil Wissenschaft, Teil Verhandlungskunst. Wer die Methoden und die Realität dahinter kennt, verhandelt souveräner — beim Verkauf, bei Investorengesprächen oder bei der Nachfolge.
Die Hauptmethoden
- EBITDA-Multiple-Methode: Bewertung = EBITDA × Faktor (typisch 4–10 je nach Branche, Wachstum, Größe). Im Mittelstand das gängigste Verfahren.
- Discounted Cash Flow (DCF): Theoretisch sauberste Methode. Bewertung = Summe der diskontierten zukünftigen Cashflows. Bei KMU oft zu sensitiv auf Annahmen.
- Substanzwert-Methode: Bewertung = Vermögen − Schulden. Bei substanzarmen Geschäften wenig aussagekräftig, bei vermögensstarken (Immobilien, Maschinenpark) relevant.
- Vergleichswert (Marktpreis-Methode): Was wurde für vergleichbare Unternehmen gezahlt? Schwierig wegen begrenzter Datenlage in DACH.
Was den Wert wirklich treibt
- Stabilität der Cashflows: Wiederkehrende Umsätze schlagen Projektgeschäft.
- Wachstumsperspektive: Bei 15 %+ Wachstum oft Multiplier-Aufschlag von 30–50 %.
- Kundenkonzentration: Klumpenrisiken drücken den Multiplikator.
- Inhaber-Abhängigkeit: Wenn das Geschäft an einer Person hängt, sinkt der Wert deutlich.
- Prozessreife: Dokumentierte Abläufe, KPI-Systeme, IT-Infrastruktur — wertsteigernd.
- Marktposition: Marktführerschaft in Nischen bringt Premium-Bewertungen.
Was Verkäufer und Käufer oft unterschätzen
- Der Markt-Multiplikator-Bereich ist groß. Innerhalb derselben Branche zwischen 4× und 9× EBITDA.
- Verhandlungsmacht ist mindestens so wichtig wie die Bewertungsmethode.
- Earn-out-Komponenten können große Teile des Kaufpreises an spätere Performance koppeln.
- Steuerliche Strukturierung (Share Deal vs. Asset Deal) beeinflusst den Netto-Erlös erheblich.
Unternehmenswert transparent
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